Portraits - Claus Pescha - handmade web.design

Portraits – Schönheit steckt in jedem, oder?

Ganz sicher! Aber will man sie als Fotograf in Portraits mit einer 1/125 Sekunde einfangen, steht man vor ein paar Herausforderungen.

Das beginnt eben schon mit der Belichtungszeit, in der man ja nur einen kurzen Moment der Mimik bildlich einfriert. Betrachten wir unser Gegenüber mit den Augen, nehmen wir die Bewegungsabläufe im Gesicht des anderen wahr, den Augenaufschlag, das Ansetzen zu einem Wort, einem Lächeln, einem Schrei. Unser Gehirn generalisiert dabei, es merkt sich davon nur die Highlights, alles andere wird wahrnehmungstechnisch ausgeblendet.

Claus Pescha - handmade web.designBoah!

Claus Pescha - handmade web.designFalten machen interessant!

Die fotografierte 1/125 Sekunde hingegen trifft auch die Phasen zwischen den Highlights, friert ein, fordert das visuelle Sezieren heraus – und das ist gnadenlos. Guck mal da, der Mundwinkel, das halb geschlossene Auge, der Schatten unterm Kinn, oh, da seh‘ ich aber pummelig aus und so weiter.

Claus Pescha - handmade web.design Arm ab! Wo kommt nur die Hand her?

Claus Pescha - handmade web.design … herrje und diese hier?

Unser Maßstab für äußere „Schönheit“ ist heute so geprägt von Hochglanzzeitschriften, Filmen und Spots in denen Top-Models von Top-Visagisten für das Shooting mit Top-Fotografen präpariert werden und dort eine Top-Posing-Leistung abliefern. Ganz klar ist all das eine hohe Kunst und beeindruckende Ergebnisse sind herrlich anzusehen.

Machen wir uns aber bewusst, was das Ziel davon ist. Erfahren wir etwas über die Menschen vor der Kamera? Verstehen wir, wer er oder sie ist? Nein, denn sie, im Sinne eines authentischen Portraits, sollen gar nicht gezeigt werden. Vielmehr werden gewünschte Atmosphären, Emotionen, Lebensgefühle visualisiert. Das muss einem klar sein.

Wenn wir uns also – unsinnigerweise – damit vergleichen, sollten wir unseren liebevollen Blick auf uns selbst schulen, wahrnehmen wer wir sind. Ein authentisches Portrait kann eine unschlagbare Wirkung haben!

(Die Portraits vom Bodypainting-Shooting in der Toskana sind ein gutes Beispiel dafür).

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Keines der Bilder in diesem Artikel hätte ich zunächst als veröffentlichungswürdig erachtet oder ist in meinen Augen „erste Wahl“. Sowohl am Posing wie fotografisch habe ich daran einiges auszusetzen. Aber als ich heute diesen Text eben genau dazu zu schreiben begann, war die Bildauswahl recht einfach. Und mit immer länger werdendem Text, verliert das „da gefalle ich mir aber nicht so gut“ seine Bedeutung. Natürlich wanderten nach dem Shooting alle formal „unmöglichen“ Bilder bereits in den Papierkorb, hier waren die Augen zu weit geschlossen, dort zu weit geöffnet, der Oberkörper zu weit zurückgelehnt wirkt distanziert, zu weit vorgebeugt aufdringlich, der Hals zu stark abgewinkelt wirkt linkisch, zu gerade wirkt steif, – diese halt.

Posen ist durchaus anspruchsvoll, für Model wie Fotograf. Schon kleine Änderungen der Pose können die Bildwirkung vollkommen verändern. Das Spielen damit und das Betrachten der Ergebnisse aber machen großen Spaß und sind Teil der gemeinsamen, kreativen Arbeit.

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Immer gibt es auch technische Herausforderungen, an erster Stelle das Licht. Egal, ob Tageslicht, Kunstlicht, eine Mischung aus beiden oder Studiolicht mit mehreren Lichtquellen, erst mit viel Praxis entwickelt man als Fotograf die Erfahrung und Intuition und daraus einen eigenen Stil. Aber das ist ein Thema für einen extra Artikel.

Ich stelle jedenfalls fest, dass ich immer Lernender sein werde und dass es ein Geschenk ist, Menschen zu fotografieren. Eine kreative Verbindung zwischen Model und Fotograf, mit dem Ziel, das Schöne und Einzigartige in jedem Menschen zu zeigen.

Wenn Du selbst Lust auf ein Portrait-Shooting hast, schreib‘ mir einfach.